Gespräch- und Gestalttherapie

Kursstart: 06.04.2018 bis 15.04.2018

© wetwater / Fotolia© wetwater / FotoliaUrsprünglich ging es in diesen Kursen um Fortbildung für Angehörige aus Heilberufen. Wir waren überzeugt, dass kein Arzt, Heilpraktiker, Krankengymnast etc. mit Menschen arbeiten sollte ohne die Grundzüge psychotherapeutischen Handelns zu kennen. Dabei ging es uns in erster Linie um den Heilenden.

Wir wussten aus eigener Praxis, wie kräftezehrend und schließlich zerstörerisch es ist, wenn man es ständig mit Kranken zu tun hat und sich dabei unabsichtlich -weil eben unbewusst- mit deren Leid uns deren kranker Energie belastet. Das Heiler-Patient oder das Therapeut-Klient-Verhältnis in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen schien uns zumindest für eine Ausbildungsphase äußerst wichtig und unverzichtbar.

Die Kurse zeigten dann aber, dass Menschen aus allen Berufschichten teilnahmen und das liegt sicher daran, dass sich in der Therapeut-Klient-Beziehung nur zuspitzt, was sich in jeder menschlichen Beziehung abspielt.

Vordergründig vermitteln wir in den Gap-Kursen psychotherapeutische Techniken. In diesen zehn Tagen arbeiten wir je fünf Tage mit den Methoden der klientenzentrierten Gesprächstherapie nach Rogers und fünf Tage mit der Gestalt-Therapie nach Perls. Es geht darum, die grundlegenden Arbeitsweisen beider Richtungen an der eigenen Person zu erfahren und sie dann in vielen Übungen selbst zu praktizieren; in Einzelarbeit mit dem Trainer, in Paar- und Gruppenübungen.

In dieser intensiven zehntägigen Arbeit entsteht regelmäßig eine äußerst dichte und kreative Atmosphäre und wie von selbst kann plötzlich inneres Wachstum und Persönlihckeitsentfaltung passieren. Und das ist das tiefere Anliegen im Gap-Prozess; über die Technik hinauswachsen, zum spontanen Sein.

Carl Rogers (1902-1987Carl Ransom RogersCarl Ransom Rogers)  

Um 1940 begründete Rogers die klientenzentrierte Gesprächstherapie. Er nannte das therapeutische Gespräch ein Interview und sprach nicht von Patient sondern von Klient. Er legte Wert darauf, der Psychotherapie ihren klinischen Geruch zu nehmen, das Gefälle zwischen Arzt und Patient zu verringern und den Klienten als jemanden zu achten, der alles was er zur Lösung seiner Probleme braucht bereits in sich trägt.

Seit den 60er Jahren hat sich diese Grundhaltung, das einfühlsame, akzeptierende Verstehen als ein neuer Zugang zu allen Bereichen zwischenmenschlicher Beziehungen erwiesen. Das gilt für Pädagogik, Sozialarbeit, Beratung, Seelsorge aber genauso für Management, Hochschule oder Paarbeziehung.

Rogers hat in späteren Jahren geäußert, dass er seine Arbeitsweise dem sehr verwandt findet, was Laotse sagt: "Wenn ich vermeide sie zu beeinflussen, werden die Menschen sie selbst."

Fritz Perls (1893-1971)

Perls ist der Begründer der Gestalt-Therapie. Er war Arzt und zunächst Schüler von Freud. In den 60er Jahren fand er zu dem, was er später die "Hier und Jetzt-Therapie" nannte. Dabei ist die gegenwärtige Erinnerung eines Menschen an vergangenes Geschehen entschieden wichtiger für seine gegenwärtige Persöhnlichkeit, als das vergangene Geschehen und wie es sich genau abgespielt hat.

"Die Idee der Gestalt-Therapie ist es, aus Papiermenschen wirkliche Menschen zu machen. Es ist die Idee, den ganzen Menschen unserer Zeit zum Leben zu erwecken und ihn zu lehren, wie er seine inneren Kräfte nutzen kann, um ein Führer zu sein, ohne ein Rebell zu werden, eine Mitte zu haben und nicht Hals über Kopf zu leben."
Und wie geht das?

"Wenn wir uns selbst nicht verstehen, dann können wir nie hoffen, unsere Probleme zu löschen, dann können wir nie hoffen, ein Leben zu führen, dass sich lohnt. Dieses Verhältnis des Selbst aber umfasst mehr als intellektuelles Verstehen. Es erfordert Gefühl und Sensibilität."
(Beide Zitate aus Perls Grundlagen der Gestalt-Therapie.)

Gap-Prozess 

Solange wir nahtlos mit unseren eigenen Handlungen, Gedanken, Gefühlen identifiziert sind, werden wir uns nie selbst finden. Wir brauchen uns nur unsere rasch wechselden Gefühle, unserer sprunghaften Gedanken, unsere widersprüchlichen Handlungen anzuschauen: Welche von meinen Launen, Stimmungen, Ideen bin ich?

Erst wenn uns zu interessieren beginnt, was hinter diesen Erscheinungsbildern steckt, die wie ein Film ablaufen, wird das Interesse auf das Wesen gelenkt. Um davon etwas zu erwischen, musst du wenigstens einmal für einen Augenblick lang STOP rufen, einen winzigen Abstand entstehen lassen zwischen dir und deinen Gedanken, zwischen Dir und deinen Gefühlen. Eine winzige Lücke muss entstehen, the gap. Ein Spalt in deiner Persönlichkeit, durch den Licht in deine Seele fallen kann.

Dieses Seminar ist Bestandteil der Ausbildung zur HeilprakterIn für Psychotherapie der Heilpraktikerschule Sarbrücken, kann aber auch einzeln gebucht werden.

Kursinformationen
Start: 06.04.2018
Dauer
10 Tage
Kosten
1.080,- €
(Wiederholer 1/2 Preis)
Veranstaltungsort
MERCURIUS Heilpraktikerschule
Saarbrücken

 

DozentInnen:
Dr. rer.soc. R. Roth, Heilpraktiker
Dipl. Ing. D. Kreidler-Roth, Heilpraktiker